Wir haben vor ein paar Wochen die Lebensmittelmesse ANUGA in Köln besucht. Dabei fiel der erfreulicherweise große Trend zur Ressourcenschonung auf. Aber auch bei der weiteren Recherche im Netz zum Thema lassen sich einige Neuigkeiten zum Thema Nachhaltigkeit in der Getränkebranche finden.
Den Begriff Nachhaltigkeit in der Ökologie definiert der Duden so: längere Zeit anhaltende Wirkung, beinhaltet Veränderung und Effizienz im Herstellungsprozess, bei der Auswahl der Rohstoffe und in der Unternehmensführung. Es geht auch um Einsparung, Reduzierung und Verzicht.
Am Beispiel Bier bedeutet dies: Ein Bier, das mit regionalen Rohstoffen und erneuerbaren Energien hergestellt wird, wird direkt in der Brauereigaststätte ausgeschenkt. Die sogenannten Abfallprodukte werden in den Kreislauf zurückgeführt, sei es in der Brauerei selbst oder in einem anderen Wirtschaftskreislauf. Der Malztreber wird im Brotteig verarbeitet, in der Tierfütterung verwendet oder zur Biogaserzeugung eingesetzt. Lebensmittelüberschüsse wie „angegammelte“ Früchte oder altes Brot werden in der Brauerei wiederverwendet.
Die Verwertung von altem Brot, also die Herstellung von Bierbrot, ist erstmal nichts Neues. Tortillas (weiche Teigfladen aus Maismehl), die nicht in den Handel gelangen, weil sie nicht perfekt genug sind, anderweitig zu verwerten, ist da schon eine neuere Vorgehensweise. Zumindest in Deutschland.
Diesen Weg geht nun das dänische Food-Unternehmen Leighton Foods, die unter anderem auch Tortilla Wraps herstellen, die aber in der Produktion nicht immer perfekt gelingen. „Wir produzieren 10.000 Tonnen von Tortilla Wraps pro Jahr und unter dem Slogan “Waste not wasted” haben wir zusammen mit einer Deutschen Brauerei das erste Tortilla Bier entwickelt, welches mit 10% geretteten Tortillas gebraut wird.“, verspricht das Unternehmen auf seiner Webseite.
Das kleine Düsseldorfer Brauprojekt „Strandhase“ hat sich dem Thema „Waste not wasted“ angenommen (der Zufall hat beide Partner auf einer Party zusammengeführt) und braut nun das Chica Mexicana, ein Weizen(tortilla)bier nach belgischer Art. Ein lecker süffiges Bier, welches bestimmt auch als Foodpairing zu mexikanisch pikantem Essen passt.

Einen ganz neuen Weg der Kreislaufverwertung gehen seit neuem das Schweizer Unternehmen UpGrain und das von der Störtebecker Brauerei und weiteren Partnern aus Wirtschaft und Forschung geförderte Projekt MaltFungiProtein. Beiden Projekten gemein ist die Verwertung bzw. das Upcycling von Malztreber zu proteinhaltigen Lebensmitteln. Es werden kurz gesagt Proteine und Balaststoffe aus dem in großen Mengen anfallenden Treber extraiert und stehen dann wieder für die pflanzliche Lebensmittelproduktion zur Verfügung.
Wenn sich Getränke in Flaschen oder Dosen auf den Weg zum Verbraucher oder zum kleinen Einzelhändler machen, fällt durch den Einsatz von Einwegverpackungen unendlich viel Müll in Form von Papier und Pappe an.

Eine kleine Firma in Baden-Württemberg will diesen verschwenderischen Umgang nun durch ein „intelligentes Mehrweg-Transport-System“ beenden. Die SMA-TRA-BOX ist eine Mehrwegtransportbox, die bei allen stoßempfindlichen Gegenständen eingesetzt werden kann. Der Hersteller verspricht, dass durch das Pfandsystem, die Kosten für den Kauf von Pappkartons entfallen und so auch die Kosten für die Rücksendung ausgeglichen werden.
Über das Thema Nachhaltigkeit in der Brauerei habe ich schon einmal in der Fachzeitschrift Bier & Brauhaus geschrieben. Kostenlos online lesbar
