Virtueller Raum statt Kinosaal: Die 66. Kurzfilmtage Oberhausen

Seit über 60 Jahren wird Oberhausen einmal im Jahr zum Treffpunkt internationaler Filmemacherinnen und Filmemacher, Presseleute und Filmfreaks. Sie bevölkern Jahr für Jahr die sonst eher beschauliche Oberhausener Einkaufszone, in der mit dem Lichtburg Filmpalast die Festivalzentrale ihren Platz hat. Dieses Jahr blieben nicht nur die Oberhausener unter sich.

Durch die Coronakrise hatten die Veranstalter die Wahl zwischen online stattfinden oder ausfallen lassen. Und haben in kurzer Zeit das 1. Onlinefestival ins Leben gerufen. Unabhängig von Ort und Zeit konnte man sich vom 13. bis 18. Mai zu Hause durch die verschiedenen Sektionen mit über 350 Filmen streamen. Der Festivalpass war mit knapp 10 Euro günstig und außerdem für einen guten Zweck: Die Erlöse gingen komplett an die Stiftung Sozialwerk der VG Bild-Kunst.

Wir sind auf dem Weg zu einem Filmfestival, das nicht mehr auf Ort und Zeit beschränkt ist.

Dr. Lars Henrik Gass, Festivalleiter Kurzfilmtage Oberhausen

Die Gespräche mit den FilmemacherInnen wurden per Videoschalte geführt und nach dem jeweiligen Film abgespielt. Die Diskussionen zu verschiedenen Themen, Workshops, DJ-Sets zum Chillout und auch die Preisverleihung am Ende standen online kostenfrei zur Verfügung.

Online guckt man anders

Ich habe schon ein paar Mal die Kurzfilmtage besucht. In den letzten paar Jahren war ich im Mai aber oft unterwegs. Und auch dieses Jahr hätte ich wohl keine Zeit gehabt, da wäre in den USA auf Reisen gewesen. Nun hat es wegen Corona doch geklappt. Die Reise wurde abgesagt und ich habe mir querbeet einige Filme angesehen.

Ob Dokumentarisches, Experimentelles, Animiertes, Kurzspielfilm oder Musikclip, online schaut man die Filme einfach anders. Schon allein deswegen, weil man sehr schnell abgelenkt ist. Genauso wie bei der Nutzung der bekannten Streaming-Dienste kann man – wenn der Film gut ist – zwischendurch den Film stoppen, sich Szenen oder den ganzen Film noch einmal ansehen (durchaus positiv). Oder aber – wenn der Film nicht so besonders ist – den Film nicht zu Ende gucken, um dann bei diesem oder jenem Film mal reinzugucken und dort… (eher negativ). Im Ergebnis habe ich zwei Drittel der Filme zu Ende geguckt und ein Drittel nicht. Ich war mit meiner Konzentration einfach nicht so dabei wie im Kinosaal. Diesen könnte man zwar vor Filmende verlassen, aber das überlegt man sich dann doch zweimal.

Ich freue mich aber auf jeden Fall wieder auf die „echten“ Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen mit Filmvorführungen im Kinosaal, Live-Diskussionen und voller Oberhausener Fußgängerzone. Ich finde es aber sehr bemerkenswert, wie schnell die Veranstalter das Onlinefestival ins Leben gerufen haben und wie unkompliziert das Ganze für den ‚User‘ war. Hut ab!

Veranstalter sehen Möglichkeiten im Digitalen

Die Veranstalter sind mit dem Festival im übrigen sehr zufrieden. „Vor allem mit dem großen, auch internationalen Interesse an den Festivalpässen, aber auch mit dem Festival, der Plattform, an sich.“, meint Sabine Niewalda, die Pressesprecherin der Kurzfilmtage. „Mit mehr Vorlauf könnte man natürlich viel verbessern, aber angesichts der Umstände und der kurzen Vorbereitungszeit sind wir mit dem Ergebnis zufrieden.“

Die Digitalisierung wird nun durch die Coronakrise in vielen Bereichen schneller vorangetrieben. Die Kurzfilmtage haben sich schnell darauf eingelassen. Die Veranstalter denken nun über zukünftige Möglichkeiten im Onlinebereich nach. Als Ergänzung und um ein größeres Publikum anzusprechen, wäre ein Onlineangebot an Filmen denkbar und durchaus eine Bereicherung für das Festival.

Im Moment ist es für eine Zukunftsprognose wohl einfach zu früh. Wir müssen weiter geduldig sein. Ändern wird diese Krise mit Sicherheit einiges.

2 Kommentare zu „Virtueller Raum statt Kinosaal: Die 66. Kurzfilmtage Oberhausen

  1. Bin ich vollkommen einer Meinung. Online schaut man anders. Ich habe alle Programme, die ich gesehen habe, durchgeschaut (brav). Mich dazu gezwungen, die Programme einer Kinoprogrammierung folgend in mich aufzunehmen. Zu schwierige Filme trotzdem zuende geschaut. Und später wieder festgestellt, dass leichtfertiges Springen zum nächsten Film bei zwei-drei Filmen ein Fehler gewesen wäre.

    Es dürfte wohl mein 25. Festival in Folge in Oberhausen gewesen sein. Dass ich einmal ein Filmfestival vor einem Computermonitor verbringe, hätte ich mir nie denken können.

    Online ist anders. Kann man mich dran gewöhnen. Aber will ich das? Geht nicht einfach viel zu viel verloren, nicht im Kino sein zu können?

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Sven, das ist ja eine stattliche Anzahl an Festivalbesuchen! Ich hoffe fest, dass nächstes Jahr wieder analoge Filmfestivals stattfinden. Am liebsten schon im Februar zur Berlinale 😁

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