Brauereitour zu Hause

Toer de Geuze at home

Am ersten Maiwochenende 2021 sollte eigentlich die 13. Ausgabe der Toer de Geuze im belgischen Payottenland und Sennetal starten.

Doch diese schöne „Bier-Sause“ musste dieses Jahr leider ausfallen, wurde aber kurzerhand durch eine wirklich professionelle digitale Ausgabe ersetzt, die Anfang Juni online ging.

Mit Breandán Kearney (Belgian Smaak) und Liselot Caura (BeerSecret) wurden zwei Bier- und Medienprofis gefunden. Die professionellen Livesessions, spannenden Interviews und kurzen Videoeinspielungen aus den Produktionsstätten waren für meinen Geschmack ein wirklich gelungener Ersatz. Und sind es noch. Denn das Ganze wurde glücklicherweise aufgezeichnet und steht der interessierten Biertrinkerin und dem interessierten Biertrinker jederzeit und kostenlos zur Verfügung.

Ich empfehle, das passende Getränk (Geuze oder Fruchtlambik) vorher kalt zu stellen und während der „Tour“ zu genießen. Das ist zwar nicht so gesellig wie eine echte Tour, aber trotzdem eine schöne Sache für sommerliche Regentage und als „Appetizer“ für die Toer de Geuze im nächsten Jahr.

Toer de Geuze, das bedeutet vereinfacht, man macht sich mit Freunden auf zu einer Brauereienrundfahrt. Im Bierland Belgien sind solche Veranstaltungen ein Fest für die ganze Familie. Hier treffen sich Generationen. Es ist voll und gesellig. Man kann verschiedene Biere probieren, eine Führung durch die Brauerei machen, es gibt zu Essen und eine Hüpfburg für die Kinder. Entweder man macht eine Radtour dorthin oder man bucht bequem ein Ticket für einen Reisebus und unternimmt mit gleichgesinnten internationalen Bierliebhabern die Tour von Brauerei zu Brauerei, von Blenderei zu Blenderei.

Die erste Toer de Geuze fand am 19. Oktober 1997 statt.
Die Produktionsstätten Boon, De Troch, Lindemans, Timmermans und andere öffnen ihre Türen alle 2 Jahre für die Öffentlichkeit. Dann kann man einen Einblick in die uralte Tradition, die Produktion, in die alten Gebäude und in die Geschichte hinter den Brauereien und Blendereien bekommen.
Nun ist der Rhythmus durch die Pandemie aus dem Takt geraten. Die nächste Edition findet am Samstag, 30. April und Sonntag, 1. Mai 2022 statt.

Organisiert wird die Tour zu den Brauereien von der gemeinnützigen Organisation High Council of Artisanal Lambic Beers (HORAL). Das Hauptziel der Vereinigung ist die Förderung der Lambikbiertraditon, insbesondere von Oude Geuze und Oude Kriek.
Die meisten Lambikbrauereien -und blendereien sind bei HORAL organisiert.

Brauer & Blender / Brouwer & Steker

Lambik wird gebraut, Geuze wird verschnitten bzw. verblendet. Der „Steker“ (Verschneider) braut nicht, sondern verschneidet die von verschiendenen Brauereien eingekauften Biere zu einem Geuze. Das ist eine hohe Kunst (ähnliches kennt man vom Wein). Jeder Steker hat seine ganz eigene Handschrift und erschafft sein ganz eigenes Geschmacksprofil, in dem er die verschiedenen Lambiks miteinandern verbindet. Es gibt sogar einen deutschen Steker: Uli Kremer alias h.ertie ist mit seiner „Huisstekerij“ fest verankert in der belgischen Biertradition. Seine Lambikkreationen werden unter Beergeeks hoch gehandelt.

Aber was ist überhaupt Geuze und Lambik?

Die Lambikherstellung ist eine alte Tradition. Traditionelles Lambik wird ohne Zugabe von Hefe durch Spontangärung hergestellt. Das heißt, der Brauer setzt keine „kultivierte“ Hefekultur (Reinzuchthefen) für die Vergärung des Bieres ein, sondern bringt die Hopfenwürze mit der kühlen Außenluft in Kontakt, sodass die Fermentation spontan beginnt. Hierzu wird die Bierwürze in ein großes Becken, das Kühlschiff, gepumpt. Den Rest macht dann die Natur, die Umgebungsluft mit ihren Mikroorganismen „infiziert“ die Bierwürze. Die Vergärung kann beginnen. Anschließend erfolgt der weitere Ausbau in Holzfässern.

Theoretisch können diese Biere zwar überall auf der Welt hergestellt werden, aber es braucht schon das geeignete Mikroklima. Und dieses befindet sich insbesondere in der Umgebung südwestlich von Brüssel, im Sennetal oder Pajottenland.

Inwieweit noch kultivierte Hefen zur Gärung hinzugefügt werden – isolierte wilde Hefestämme gibt es mittlerweile auch im Brauereibedarfshandel zu kaufen – bleibt das Geheimnis des Lambikbrauers.

Mittlerweile spielt auch der Klimawandel eine Rolle. Die Außenluft kühlt nicht mehr genug ab; das gibt mitunter Herausforderungen bei der spontanen Vergärung der Bierwürze und dem anschließenden Ausbau des Lambik.

Jedes Lambik und Geuze hat seine eigene Charakteristik und damit sein eigenes Geschmacksprofil, je nachdem was in der jeweiligen Brauerei für Mikroorganismen "rumschwirren" und welche Fässer zum Ausbau des Geuze verwendet werden.

Das junge Lambik ist kohlensäurearm, wird entweder mit älterem Lambik zu Geuze verblendet, zu Fruchtlambik verarbeitet oder in belgischen Biercafés (oder bei der Toer de Geuze) ausgeschenkt. Die Herstellung von Geuze und Fruchtlambik ist komplex und erfordert Erfahrung und Können.

Der erste und einzige deutsche Steker Uli Kremer hilft regelmäßig bei Bierveranstaltungen, wie der Toer de Geuze.

(Frucht)Lambik und Geuze

  1. Lambik ist ein flaches und schaumfreies Weizenbier, das mit wilden Hefen fermentiert und in Holzfässern gereift wird. Traditionell werden junges und altes Lambik miteinander vermischt und dann in der Flasche nachvergoren, dann entsteht eine Geuze.
  2. Oude Geuze ist eine Mischung von Lambik unterschiedlichen Alters, von denen das ältestes mindestens 3 Jahre alt und der Rest älter als 1 Jahr alt ist. Die Mischung gärt dann mindestens 6 Monate in der Flasche. Mit der Bezeichnung „Oude“ ist es garantiert nach traditioneller Methode hergestellt worden.
  3. Geuze ist normalerweise eine kommerziellere Variante und darf nicht die Bezeichnung „Oude“ tragen, bei der ein Teil des Lambik durch ein obergäriges Bier ersetzt wurde, welches weniger gereift oder auch angesüßt wurde.
  4. Oude Kriek ist das traditionellste Fruchtbier, für das 100 Prozent Lambik als Basis verwendet wird. Die Sauerkirschen (inklusive der Kirschsteine) werden im Lambik mazeriert.

Wilde Hefen

Die beiden Hefearten, die bei der Herstellung von Lambic-Bieren häufig genannt werden, Brettanomyces Bruxellensis und Brettanomyces Lambicus, wurden nach ihrer Wirkung in englischen Bieren benannt.

Im Jahr 1903 reichte der dänische Brauer Niels Hjelte Claussen, Direktor des Labors der Neuen Carlsberg Brauerei in Kopenhagen, das erste Braupatent ein, das die Wirkungen dieser vielbeachteten Mikroorganismen beschrieb.

Im folgenden Jahr hielt er auf einer Tagung in der Brewers Hall in London einen Vortrag mit dem Titel: „On a method for the application of Hansen’s Pure Yeast System in the manufacturing of well-conditioned English Stock beers“ (Über eine Methode zur Anwendung von Hansens Reinzuchthefe-System bei der Herstellung gut konditionierter englischer Lagerbiere), und über seine Arbeit wurde im Journal of the Institute of Brewing berichtet.

Claussen hatte diese langsam wirkende Hefe aus englischem „Stock Ale“ isoliert, einer Art eichengereiftem Starkbier, das zum Verschnitt mit jüngeren Bieren verwendet wurde. Die englische Brauerei Greene King verwendet diese Hefe immer noch, um ihr Strong Suffolk mit normalem braunen Ale zu mischen, und die Brauerei Pitfield hat in jüngerer Zeit ein solches Bier gebraut, konditioniert und abgefüllt.

Als er einen Namen für die Familie dieser neu isolierten Stämme vorschlug, bemerkte Claussen: „Ich habe es für angemessen gehalten, einen besonderen Namen für sie vorzuschlagen, und mit Rücksicht auf ihre enge Verbindung mit der britischen Brauindustrie habe ich sie Brettanomyces genannt.“

„Brettano“ ist wissenschaftlich gesehen das griechische Wort für „britisch“, während „myces“ „Pilz“ bedeutet. Er war zu bescheiden, um „Claussenii“ hinzuzufügen, obwohl dies später kam.

Es ist eine interessante historische Fußnote, dass zu der Zeit, als Claussen seinen Vortrag hielt, niemand Brettanomyces als wilde Hefe betrachtete. In der Tat gab es auf der Tagung eine Diskussion darüber, ob die Brettanomyces ihre Wirkung in Gegenwart von wilder Hefe noch ausüben könnten.
Quelle: LambicLand, Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator

Ihr habt Appetit auf Lambikbiere und die Toer de Geuze bekommen?

Vielleicht sehen wir uns ja bei der nächsten Toer de Geuze!
Ich bin auf jeden Fall wieder live dabei 🙂

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