Edel, elegant und royal: Auch Bochum hat Königskinder

Wer blickt schon nach England, Belgien oder den Niederlanden, wenn es auch hierzulande Königskinder gibt. Ulrike Königs geschickte Hände sorgen dafür, dass es immer mehr davon in Bochum gibt. Ihre kunstvoll hergestellten Holzfiguren aus Edelholz sind unverkennbar; sie sind Unikate. Ihre Figuren blicken schelmisch und wirken leichtfüßig. Ein Lächeln in das Gesicht des Betrachters zaubern – das können daher nur diese Königskinder. Sie heißen so, weil es eben Königs Kinder sind. Und weil die Figuren so besonders sind, finden sie weltweit Abnehmer. Ich habe die Künstlerin in ihrem Bochumer Atelier besucht und ihr bei der Arbeit über die Schulter geschaut.

In ihrem Haus in Bochumer Süden ist bereits die Herbstkollektion im Ausstellungsraum sorgfältig platziert. Die 65-jährige Künstlerin orientiert sich bei ihrer Arbeit an den Jahreszeiten und den Anlässen wie Ostern, Weihnachten, Hochzeit oder Geburt. Im Sommer entwirft sie bereits die Figuren für den Herbst und Winter. Eine Etage höher im Haus liegt ihr Atelier. Dort steht ein großer Arbeitstisch mit einem Stapel Skizzen, Kartons, Schablonen, Farben und Pinsel. Hier entwirft sie die Muster für die nächste Kollektion: Elfen, die sich scheinbar gegen den Wind stemmen; Frösche, die geküsst werden möchten; Köche, die neckisch Zutaten tragen oder fliegende Ballerinen. Der Renner sind Schutzengel und Baumanhänger für den Weihnachtsbaum – da kommt die Künstlerin kaum nach.

Ulrike König verbringt viel Zeit in ihrem Atelier im Bochumer Süden.
Sehr begehrt sind Königs Baumanhänger für den Weihnachtsbaum. Diese hier warten schon auf ihren Einsatz.

Kreative Ader und ein Blick für schönes Design

Mitte der 1990er Jahre hat Ulrike König angefangen, Skizzen zu entwerfen und Holz zu bearbeiten. Aus Spaß an der Holzbearbeitung entstand schnell die erste Figur: eine Heuschrecke. Einfach so; das Insekt hatte sie in ihrem Kopf und schnell gezeichnet. Schon in der Schule malte und bastelte sie leidenschaftlich. Sie besserte damals ihr Taschengeld auf, indem sie andere porträtierte. Gerne hätte sie das Abitur gemacht und danach Grafik-Design studiert. Aber es kam ganz anders. „Als meine Mutter starb, war ich gerade 14 Jahre und besuchte die Volksschule. Um die Familie zu unterstützen ging ich von der Schule ab“, sagt sie ohne eine Spur des Bedauerns, „Mein Vater und mein kleinerer Bruder brauchten mich.“ Sie machte eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Ihr Chef sah, wie geschickt sie mit ihren Händen arbeitete und ließ sie auch kleinere zahntechnische Arbeiten ausführen. Und weil sie so fingerfertig war, wechselte sie später in ein Dentallabor. Zeitgleich dazu lernte sie auch das Edelholz Sipo Mahagoni kennen und liebte es, dieses zu verarbeiten. Kurz nachdem ihre Tochter auf die Welt kam, kaufte sie sich ihre erste Dekupiersäge und fertigte Mobiles und Holzspielzeug für ihre Tochter an. Die Freunde und die Familie waren begeistert -der Rest ist Geschichte. Erste schlanke Holzengel mit schwarzen Haaren und Knubbelnasen wurden in einem Bochumer Einrichtungshaus und in einem Deko-Geschäft in Hattingen ausgestellt und waren in kurzer Zeit ausverkauft. Die Königskinder waren geboren; das edle Holz wurde Königs wichtigstes Ausdrucksmittel. Das Holz, das die Künstlerin seitdem verarbeitet, kommt aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Wie ein Königskind entsteht

Ob beim Wandern, Einkaufen oder zu Hause: Die Ideen zu ihren Holzfiguren holt sich Ulrike König überall. Und manchmal springen ihr die Figuren förmlich aus dem Holz heraus. Die Künstlerin fertigt für eine Königskinder-Figur zunächst eine Skizze an, von der sie anschließend eine Schablone anfertigt. Die Schablone legt sie auf das ausgewählte Stück Edelholz und zeichnet die Schablone nach. Aus dem Edelholz sägt sie die Figur heraus und schleift und poliert sie. Anschließend bemalt sie ihre Figur mit dem Pinsel. Ihre Figur erhält so ihr individuelles Aussehen und ihren für die Künstlerin typisch schelmischen Gesichtsausdruck.  Alle ihre Figuren schmückt König mit edlen Accessoires wie Swarovski-Steinen und Federboas. Die Swarovski-Steine lässt sie sich eigens aus Österreich liefern. Und wenn die Figur fertig ist, erhält sie eine hölzerne Königskrone, die sie um die Figur bindet: Nun kann das Königskind auf die Reise gehen!

Nachdem die Skizzen fertg sind, sägt die Künstlerin Schablonen aus und zeichnet dann die Umrisse auf das Edelholz.
Die ausgesägten Edelholz-Figuren werden anschließend von der Künstlerin bemalt.

Kunst oder Kunsthandwerk?

Arbeit am Fließband? Das gab und das gibt es bei Ulrike König nicht. Vor 25 Jahren gab es noch keine hochwertigen individuellen Holzfiguren zur Dekoration für Wohnungen. Und nicht jeder mochte Holzfiguren aus dem Erzgebirge! Eine Tatsache, die sich die Künstlerin zunutze machte und ihre filigranen, schelmischen Holzfiguren entwarf und zusammen mit drei Mitarbeitern damals fertigte. König kreierte ihre Figuren nicht nur entsprechend der Saison, sondern sie nahm auch Sonderaufträge an: Es entstanden übergroße Architekten, riesige Frösche, Rennfahrer, Jäger oder Polizisten mit Handschellen – alle in Holz verewigt. Mit den Anfragen schickten die Kunden Fotos, nach denen die Künstlerin ihre Figuren fertigte. Ist ihre Arbeit nun Kunst oder Kunsthandwerk? Die Künstlersozialkasse wollte sie damals nicht aufnehmen, da diese Krankenkasse Königs Arbeiten mehr in den Bereich des Kunsthandwerks verortete. Auf den Kunsthandwerkmärkten sah man König aber als Künstlern. Ulrike König war es egal, sie machte einfach weiter. Entwerfen, skizzieren, Material verarbeiten und bemalen: Das machen in der Regel nur Künstler. Und keine Holzfigur hat so einen hohen Wiedererkennungswert wie die Figuren von König. Eine wahre Künstlerin also.

Und wie geht es weiter?

Ulrike König möchte etwas kürzer treten. Seit einem halben Jahr beliefert die Künstlerin keine Geschäfte mehr. Die Rente steht kurz bevor. „Mir ging es im letzten Jahr gesundheitlich nicht so gut. Ich arbeite jetzt alleine, deshalb kann ich nicht mehr so viele Figuren herstellen. Aber aufhören möchte ich nicht, das macht mir immer noch so viel Spaß“, sagt sie lachend. „Wiederholende Motive? Die gibt es bei mir einfach nicht, aus mir sprudeln immer wieder neue Ideen.“ Da die Handarbeit wieder gefragt ist, hat sie mittlerweile auch Stickhefte zum Anfertigen ihrer Königskinder herausgebracht.

Obwohl sich Ulrike König mit ihren Holzfiguren einen Namen gemacht hat und ihre Figuren weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt sind, ist sie bescheiden geblieben. „Ja, natürlich wäre ein Grafik-Design-Studium schön gewesen. Ich hätte viele Anregungen bekommen und verschiedene Techniken kennengelernt“, sagt sie schmunzelnd. „Aber mir macht ja beides Spaß: die Arbeit im Dentallabor und die als Künstlerin.“ Rente ohne Malen und Holzfiguren? Auf keinen Fall!

Infos zu den Königskindern:

Die unverkennbaren Holzfiguren der Künstlerin findet ihr auf der Homepage der Künstlerin, auf Instagram und auf Facebook:

Homepage: /www.koenigskinderfiguren.de
Facebook: https://www.facebook.com/KoenigskinderHolzfiguren/
Instagram: koenigskinder_holzfiguren

Öffnungszeiten:
Man kann mit der Künstlerin einen Termin vereinbaren und sich in ihrem Verkaufsraum Figuren anschauen und und natürlich auch kaufen.

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