Sonne, Sand, Saudi-Arabien

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Wer möchte nicht im Sommer wegfahren? Zurzeit bremsen die Inflation, das Chaos an den Flughäfen und Corona die Reiselust der Deutschen. Da bleiben viele lieber zu Hause. Oder man verbringt den Urlaub  in Deutschland, vielleicht auch in den benachbarten EU-Ländern. Wer günstig und gefahrenfrei urlauben möchte, der kann das ganz einfach auf dem Sofa zu Hause: mit dem Buch „Couchsurfing in Saudi-Arabien“ von Stephan Orth. Der Buchautor fährt dort in den Urlaub, wo normalerweise keiner Urlaub machen möchte. Als Saudi-Arabien die ersten Touristen 2019 ins Land lässt, ist der Buchautor Stepan Orth einer der ersten, der ein Touristenvisum beantragt. Er bucht keine Hotels, sondern er sucht sich Unterkünfte bei Privatleuten über die Internetplattform „Couchsurfing“. Auf der Internetplattform werden ausschließlich private Wohnungen oder Wohnräume vermittelt, in denen Couchsurfer kostenlos übernachten können.

Wüstenschiffe und mehr

Eigentlich ist es nicht verwunderlich, was Orth über die Saudis zu erzählen hat: Sie lieben Wüstenschiffe (Kamele) – ein gutes Wüstenschiff kann schon einmal 300.000 Euro oder mehr kosten -, schnelle Autos, die Jagd – gerne mit deutschen Gewehren – und die App  „Snapchat“. Orth unternimmt seine Reise durch Saudi-Arabien, die er als Reise zwischen „Mittelalter und Zukunft“ bezeichnet, nie alleine. Die Gastgeber und ihre männlichen Familienmitglieder sind immer dabei. Saudis sind gastfreundlich. Es gibt ein saudisches Sprichwort, das sagt, wenn du mit jemand drei Tage isst und lebst, ist er dein Bruder. Darauf kann sich Orth auf seiner Reise verlassen.

Saudische Frauen sind jedoch für den Couchsurfer unsichtbar. In dem Land mit patriarchischen Strukturen dürfen Frauen erst seit kurzem ohne ihren männlichen Vormund einen Pass beantragen und ohne seine Erlaubnis ins Ausland reisen. In einem Land, in dem die Vielehe eine Selbstverständlichkeit ist, kann das schon als Fortschritt bezeichnet werden.

Autofahren wie im Wilden Westen

Als Frau lese ich daher lieber die Geschichten und Begegnungen des Autors ohne ein Fuß in dieses Land setzen zu müssen. Witzig und interessant sind die Begegnungen mit anderen Menschen und Geschichten über die Saudis, die Orth zu erzählen hat. Da ist zum Beispiel seine Begegnung mit einer Frau aus Südafrika, die lieber in Saudi-Arabien als in Johannisburg lebt. Oder da ist die Begegnung mit einem Homosexuellen, der von Singapur nach Saudi-Arabien geschickt wird, obwohl dort die Todesstrafe herrscht. Ungewöhnlich sind auch die Geschichten, die der Buchautor zu erzählen hat. So wird erst seit 2018 das Autofahren mit Strafen belegt. Vorher durfte jeder so Autofahren, wie er wollte. Es herrschte das Recht des Stärkeren. Orth beschreibt den Alltag der Menschen, der sonst im Verborgenen geblieben wäre. Zum Beispiel sind die Toiletten nie in Richtung Mekka ausgerichtet und das stille Örtchen muss immer mit dem linken Fuß zuerst betreten werden.

Alltag, Frauen und Freizeit

Ja, Saudis sind fußfaul. Egal wie weit, Saudis fahren mit dem Auto. Und ja, Saudis lassen sich die Haare schneiden, aber moderne Haarschnitte sind ihrer Meinung nach unnötig. Auch Frauen sind bei seinen Gastgebern immer ein Thema. Ein Rat gibt ihm auch ein Gastgeber mit auf dem Weg: Frauen sollte man niemals heiraten; und wenn man das doch macht, bewegen sie sich nicht und werden immer fetter.

Freizeitliche Aktivitäten sind in Saudi-Arabien sehr wichtig. In Riad besucht der Autor deshalb den Deera-Platz. Im Winter findet dort das Festival Riyadh Season statt; auf dem Platz gibt es dann Snackbuden, Musik und Laserprojektion – also Unterhaltung für die ganze Familie. Nach dem Festival  ist dieser Platz  ein Ort, wo regelmäßig Hinrichtungen stattfinden. Dem Delinquenten wird mit einem einzigen Schwertschlag der Kopf vom Rumpf abgetrennt. Der Gulli, in dem das Blut hineinfließt, gehört zu den am meisten fotografierten Motiven Saudi-Arabiens.

Kamele und mehr

Der Buchautor rundet jedes Kapitel ab. Es folgt immer eine kleine Kamelkunde, die den Leser zum Schmunzeln bringt.

Fazit:
Ich konnte an einem  Wochenende auf dem Balkon bei einem Glas Rotwein mit Orth eine wunderbare Reise nach Saudi-Arabien erleben. Manches ist aus Sicht einer europäischen Frau mehr als befremdlich. Und der Umgang mit Waffen, Todesstrafe und fehlenden Menschenrechten ist aus demokratischer und menschlicher Sicht verachtenswert. Dennoch ist Orths Reisebericht  wunderbar. Er ließ mich als Frau gefahrenlos und noch dazu klimaneutral (keine Flugreise nötig) gedanklich mitreisen. Spannend und ungewöhnlich sind die Geschichten, die der Autor auf seine neunwöchigen Reise durch Saudi-Arabien zu erzählen hat. Ich werde auf jeden Fall seine Reiseberichte über den Iran und China lesen.

Stephan Orth
Couchsurfing in Saudi-Arabien
Meine Reise durch ein Land zwischen Mittelalter und Zukunft
Piper Verlag GmbH, München 2021

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