Vom Gasmotorenwerk zum neuen Stadtquartier

Stadtgeschichte und Stadtentwicklung neu gedacht

Dass wir nur einen Bruchteil der Geschichte des Kölner Unternehmens Klöckner-Humboldt-Deutz kennen, merken wir, als uns Anja Kolacek nach unserem Rundgang durch die Installation Zukunfts Werk Stadt im alten Gasmotorenwerk anspricht und erzählt, welch große Bedeutung der Ort für Köln eigentlich hat.

Die Choreographin und Tänzerin Anja Kolacek hat mit dem Bühnenbildner und Video-Lichtgestalter Marc Leßle 2007 die Theater- und Tanzinitiative raum13 gegründet, die seitdem die Industriebrache bespielt.
Aus dem ehemaligen Gasmotorenwerk ist das Zentralwerk der Schönen Künste geworden. Mit der Installation Zukunfts Werk Stadt zeigen sie nun, zu welchem experimentellen Ort das Ganze werden könnte.

Wir erfahren von Anja Kolacek, dass auf dem Otto- und Langen-Quartier 1876 Weltgeschichte geschrieben wurde: Hier entwickelte Nikolaus August Otto den Viertaktmotor, den die Welt heute als Ottomotor kennt.
Die Gasmotorenfabrik Deutz AG entstand 1869. Unter der Leitung des Zuckerindustriellen Eugen Langen arbeiteten neben Otto auch Automobil-Größen wie Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach, später auch Ettore Bugatti. Nach verschiedenen Fusionen, unter anderem mit der Stahlindustrie (Klöckner) und Maschinenbau (Humboldt) und dem Lkw-Hersteller Magirus entstand dann der Großkonzern Klöckner-Humboldt-Deutz.

Die Eigentumsverhältnisse auf dem Areal sind etwas „zerstückelt“: Der Teil, in dem raum13 zu Hause ist, gehört einem privaten Investor, ein anderer größerer Teil dem Land NRW.

Als die beiden Künstler in diesem Frühjahr die Räumungsklage vom Eigentümer bekommen, scheint ihr Projekt an diesem Ort zu Ende zu gehen. Aber nun könnte ein neuer Zeitabschnitt beginnen. Der Rat der Stadt Köln hat sich klar für den Verbleib der Theater- und Tanzinitiative in den Räumen des ehemaligen Verwaltungsriegels im Industrieareal ausgesprochen und den Eigentümer aufgefordert, die Räumungsklage samt Kündigung zurückzunehmen. Zudem beabsichtigt die Stadt Köln das Areal zu kaufen. Im Amtsblatt liest sich der Beschluss unter anderem so: „Übergeordnetes Planungsziel der Gebietsentwicklung ist die Schaffung eines gemischten Quartiers für Wohnen und Arbeiten unter Einbindung der kulturhistorisch bedeutsamen Industriearchitektur.“

Kolacek und Leßle haben sich fast 10 Jahre dafür eingesetzt, dass das Industrieareal erhalten bleibt und zu einem gemeinwohlorientierten Stadtteil mit kultureller Vielfalt und sozialer Integration wird, einem sogenannten Reallabor. Alte geschichtsträchtige Substanz bleibt als kulturelles Erbe bestehen, neues Potential integriert sich in den Ort. Gleichberechtigte Partnerinnen und Partner aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft arbeiten an gesellschaftlich relevanten Themen, wie Wohnen, Arbeiten, Umwelt, Mobilität, Inklusion und Diversität und suchen gemeinsam nach Lösungen. Ein Experiment.

In der Vergangenheit wurde die Stadtentwicklung zu oft den Investoren überlassen.
Zu schnell wurden und werden Gebäude abgerissen. Zum Glück stehen dem Projekt neben Vertretern der Politik einige Menschen aus Architektur, Design, Kunst, Kultur sehr wohlwollend zur Seite. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Und wenn es gelingt, ein Vorzeigeprojekt.

ZUKUNFTS WERK STADT DIE INSTALLATION ist am 20. und 21. Juni
von 14 bis 18 Uhr geöffnet

raum13 Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste, Deutz-Mülheimer Straße 147-149, Köln-Deutz (12 € Eintritt / 8 € ermäßigt)

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