Videonale goes online

Den Unwägbarkeiten im Coronaherbst 2020 konnten alle Kulturmacher eigentlich nur spontan mit dem Verschieben ins nächste Jahr begegnen. Die Entscheidung, ob man dann eine digitale Ausgabe oder analog mit Publikum plante, blieb aber auch immer eine unwägbare Entscheidung. Es war aber auch die Hoffnung da, dass irgendwann irgendwas wieder geht. Die Videonale, die sich seit 1984 alle zwei Jahre mit Videokunst und ihren zeitgemäßen Formen beschäftigt, wurde in diesem Jahr gar nicht erst analog angegangen. Mit einem digitalen Festival eröffnete Anfang März die 18. Videonale.

Das Festival

Das das Festivalprogramm von professioneller Hand geplant wurde und nicht mal so eben „aus dem Ärmel geschüttelt“ wurde, war deutlich erlebbar. Die Programmpunkte, wie Speeddating, Panels, Vorträge, Performances, Workshops, Preisverleihung und sogar eine Festival-Bar wurden ins Digitale überführt und luden zum Austausch, Dialog und zum gemeinsamen Feiern ein. Die 31 ausgewählten Film konnten während der Festivaltage online gestreamt werden.

„Das Festival richtet sich sowohl an das Fachpublikum als auch an die interessierte Öffentlichkeit und behandelt Themen, die uns alle in unserem zukünftigen Zusammenleben betreffen – den Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen, die Stellung des Menschen in der Welt, Toleranz gegenüber unterschiedlichsten

Lebensformen und ein neues solidarisches Miteinander“..

Tasja Langenbach, künstlerische Leiterin der VIDEONALE

Die Ausstellung

Seit 2005 werden die Videoarbeiten im Kunstmuseum Bonn gezeigt. Und die Ausstellung solcher „Bilderfluten“ will gut durchdacht und geplant sein. Genau wie sich die Kunstformen immer wieder verändern, entwickelt und erfindet sich auch die Präsentation der Videokunst im Museum immer wieder neu. Indem jedes Jahr ein anderes Designer- und Architektenteam eingeladen wird, die Ausstellung zu konzipieren und präsentieren, entstehen immer wieder neue Seh- und Hörerlebnisse, die so auch der Erforschung der Ausstellungsarchitektur dienen. Und jetzt in Pandemiezeiten mussten auch noch mehr Freiräume in die Raumplanung einbezogen werden.

Die Ausstellung im Kunstmuseum Bonn kann zum Glück seit dem 16. März besucht werden. Durch eine kleine Online-Führung durch die Ausstellung kann man sich vorab erklären lassen, was sich die Designer und Architekten bei der Anordnung der Arbeiten gedacht haben. So wurde zum Beispiel bewusst auf die klassischen Black Boxes verzichtet. Die Arbeiten wurden neben ihrer thematischen Anordnung kommunikativ bzw. korrespondierend zueinandern angeordnet. Dies erzeugt eine gewisse Spannung zwischen den Werken, macht aber auch die Gegensätze der Filme deutlich.
Eigentlich wollte die Ausstellungsdesignerin Ruth Lorenz die Ausstellung inhaltlich und räumlich korrespondierend zum Ausstellungsthema wie ein Netz anordnen und die Verbindung von Themen, Körpern und Kunst und das alles mit allem verbunden ist verdeutlichen. Coronabedingt ging das aber physisch nicht. Und so spannt sich das Netz nun in grafischer Form.

Fluid states. Solid Matter

Für das diesjährige Thema, Fluid states. Solid matter, entschieden sich der Videonale e.V. nach Auswahl der fast 2.000 Bewegtbildeinreichungen. Den Fokus bei der Auswahl legte die künstlerische Leitung um Tasja Langenbach auf eine möglichst internationale Auswahl von Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern.

Mahdi Fleifel, 3 Logical Exits

Fließende Zustände. Feste Materie

Die 31 Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich in ihren Werken mit dem Indivdium, der Wahrnehmung der eigenen Körper und der Platzierung in der Welt.

Die Ein- oder Zweikanalvideos zeigen Positionen zu Menschenrechten, Geschlechteridentität oder Herkunftssuche. Es geht um Krankheit, Flucht und Ausgrenzung. Teils ist die Bildsprache dokumentarisch, teils experimentell. Oder es werden narrative und symbolische Elemente miteinander verknüpft. Schnell gerät man in den Bann der Bilder und Geschichten.

Die Videonale-Jury ließ sich von der Arbeit „Single Copy“ des Künstlers Che-Yu Hsu besonders in den Bann ziehen und wählte den Taiwaner einstimmig als Gewinner des diesjährigen Videonale-Preises der Fluentum Collection aus. In dem Einkanalvideo geht es um die chirurgische Trennung der Chang Brüder, siamesische Zwillinge, die in den 1970er Jahren in Taiwan geboren wurden. Che-Yu Hsus siamesischer Zwillingsbruder überlebte die Operation leider nicht. Und so erzählt der getrennte Bruder von dem Eingriff im Jahr 1979, der für große mediale Aufmerksamkeit sorgte.

Weitere Infos zur Begründung der Jury

Mein Favorit

Ink in Milk von Gernot Wieland. In der schönen Videoarbeit aus Super-8-Sequenzen, Zeichnungen und Figuren erinnert sich der Österreicher an seine Kindheit in den 70er Jahren und reflektiert über das Leben.

How we place our bodies

in relation to each other

is the start of politics.

Gernot Wieland, Filmemacher Ink in Milk

Infos

Die Ausstellung im Kunstmuseum kann im Moment nur nach Terminabsprache besucht werden. Am Besten, man wartet nicht mehr allzu lang mit einem Besuch, denn aufgrund der Coronabeschränkungen kann sich die Öffnungssituation jederzeit ändern.

Außerdem steht das Team mittwochs ab 17 Uhr und sonntags ab 15 Uhr für Fragen und individuelle Mini-Führungen in den Ausstellungsräumen zur Verfügung.

Ein Update: Im April werden die Werke der VIDEONALE.18 auch noch einmal auf der Streaming-Plattform zur Online-Sichtung freigegeben!

Begleitendes Programm & Material

Schön ist die Idee mit den Deskop-Selfies, in denen die Künstlerinnen und Künstlern drei Fragen beantworten und einen kleinen Einblick in ihre Inspirationswelt geben. In den Deskop-Interviews werden noch weitere Eindrücke der Arbeitsweisen preisgegeben.

Die Videoabende, die sonst in Bonner und Kölner Wohnzimmern stattfinden, finden als digitale Videoabende statt. Für die Teilnahme muss man sich vorher anmelden. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Die Kurzfilmreihe VIDEONALE.scope, in Zusammenarbeit mit dem Filmforum NRW & dem Filmclub 813 in Köln, wurde vom November 2020 in den Juni 2021 verschoben.

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